2016 hat die Freundschaft mit unserem französischen Partnerclub LC Arras-en-Artois Geburtstag: sie wird 50

In 50 Jahren ist viel geschehen: aus zaghaften, aber auch recht abenteuerlichen Anfängen wurden im Laufe der Zeit feste freundschaftliche Bande: jährliche Treffen in Frankreich oder Deutschland, Einladungen zu den Neujahrsempfängen, gemeinsame Activities und und und. All das war nun Anlass für eine "grande fête", zu der die Franzosen im Juni 2016 eingeladen hatten.

Die Präsidenten Gilles Baco und Ulrich Gräfe; links der Jumelagebeauftragte unseres Clubs, Dr. Frank Gilger

Vom 3. bis 5. Juni waren wir zu Gast in Arras, das für viele Clubmitglieder mittlerweile sehr vertraut geworden ist: man kennt sich und kennt sich hier aus. Wie man aus der Vergangenheit weiß, hatten auch dieses Mal die französischen Freunde ein umfangreiches Programm gestrickt, das zwischen Petit Déjeuner, Déjeuner und Dîner nicht viel Luft zum Atmen ließ. So führten sie Deutsche und Franzosen zur Nekropole von Notre-Dame-de-Lorette, zum Kanadischen Nationaldenkmal von Vimy und ins Musée Louvre-Lens. Danach stand das große Galadiner auf dem Programm, wo bei Livemusik gespeist und bei anschließender Disco abgerockt wurde. Bevor es Sonntag Mittag mit dem Bus wieder nach Hause ging, wurde noch ein Stadtrundgang unternommen, da doch einige neue Lionsfreunde dabei waren, die Arras näher kennen lernen wollten.

Ziemlich genau auf den Tag der 100. Wiederkehr der Schlacht von Verdun besuchten wir die Schlachtfelder des 1. Weltkrieges in der Nähe von Arras.

Kurz nach Ende des Krieges wählte der französische Staat den Hügel von Notre-Dame-de-Lorette aus, um die sterblichen Überreste französischer Soldaten von über 150 Friedhöfen der Fronten des Artois, Flanderns, der Yser und der belgischen Küste zu begraben. Hier befinden sich 20.000 individuelle Grabstätten sowie acht Ossarien mit den Überresten von 22.000 unbekannten Soldaten. Notre-Dame-de-Lorette besitzt eine Basilika und einen Laternenturm. Der Anneau de la Mémoire (Ring des Gedenkens) ist das größte gravierte Denkmal der Welt und listet auf einer Länge von knapp 300 Metern (im Oval) die Namen von 580.000 Soldaten aller Nationalitäten in alphabetischer Reihenfolge auf, die im Ersten Weltkrieg in Flandern und im Artois gefallen sind. (Mehr zu Notre-Dame-de-Lorette siehe hier).

Nicht weniger beeindruckend war der Besuch von Vimy. Das Gelände, auf dem sich das kanadische Nationaldenkmal befindet, wurde von Frankreich an Kanada abgetreten. Es steht auf dem Hügel 145, dem höchsten Punkt des 14 Kilometer langen Höhenzugs von Vimy. Am 9. April 1917 kämpften hier vier Divisionen des kanadischen Armeekorps und stürmten mit Unterstützung der 5. Britischen Division den Höhenzug. Die ganze Gegend ist noch heute von Granatlöchern übersät (daher überall die Schilder „DANGER“), die Schützengräben und unterirdischen Gänge vermitteln einen Eindruck der Schlachtfelder. Das Denkmal trägt die Namen der 11.285 kanadischen auf französischem Boden gefallenen Soldaten mit unbekannter Grabstätte. (Mehr zu Vimy siehe hier).

Wer die beiden Gedenkstätten besucht hat, wird unter dem Eindruck des gerade Erlebten nicht umhin können, die Vernunftbegabung des Menschen schlechthin in Frage zu stellen. 100 Jahre nach der mehr als unbegreiflichen gegenseitigen Abschlachterei im Zuge des Ersten Weltkrieges scheint die Menschheit in einigen Teilen der Welt rein gar nichts aus der Vergangeneheit gelernt zu haben.

So tat es gut, als wir am Nachmittag den Besuch des Louvre-Lens auf dem Programm hatten. Dieses Museum steht auf dem Gelände einer ehemaligen Zeche und ist sowohl Park als auch Museum. Die Galerie du Temps in einem bewusst modern gehaltenen Gebäude aus Glas und Metall präsentiert 205 Werke in chronologischer Reihenfolge. Alle Zivilisationen und Techniken sind vertreten, von der Entstehung der Schrift gegen 3.500 v.Chr. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, von der Antike über das Mittelalter bis zur Moderne. (Mehr zu Louvre-Lens siehe hier).

Am Abend dann der gesellige Teil der Jumelage, das Grand Dîner im Musée des Beaux-Arts im Herzen von Arras (siehe hier)

Zu „60 Jahren Lions Club Arras“ und „50 Jahren Jumelage LC Arras – LC Wermelskirchen-Wipperfürth“ überbrachte unser Präsident Ulrich Gräfe herzliche Glückwünsche und bedankte sich nochmals für die Einladung zu diesen beiden Jubiläen nach Arras.

Die Präsidenten beider Clubs, Gilles Baco und Ulrich Gräfe, betonten in ihren Ansprachen den Lionsgedanken We serve als tragendes Element dieser langen Verbundenheit unserer Clubs über die Ländergrenzen hinweg. „War es vor 50 Jahren wichtig, den Nachbarn und seine Denkweise kennenzulernen und damit Verständnis füreinander zu bekommen, scheint mir das für die heutige Zeit auch noch zu gelten“, sagte Gräfe. „Trotz EU haben unsere Länder oft unterschiedliche Ansichten, und das Verständnis füreinander muss weiter gepflegt werden. Deshalb erhoffe ich mir für unsere Jumelage auch weiter interessante Begegnungen.“ So wurde für das nächste Treffen Trier vorgeschlagen.

Als Geschenk zum doppelten Jubiläum überreichte Gräfe Baco einen Scheck in Höhe von 2.000 € zur Unterstützung der Alzheimer Activity des französischen Partnerclubs.

Die Löwen in Trier

Auf den Spuren der alten Römer

Jedes Jahr trifft sich der Lions Club Wermelskirchen-Wipperfürth mit seinem befreundeten Partnerclub aus Arras in Nordfrankreich. Die Jumelage dient dem freundschaftlichen Gedankenaustausch und findet neben den Heimatorten der Clubs auch an touristisch attraktiven Orten in den beiden Ländern statt. 2017 stand die Römerstadt Trier auf dem Programm.

Höhepunkt waren die Erlebnisführungen durch die Porta Nigra und das Amphitheater. Ein besonderes Erlebnis war es ganz sicher, denn zwei Berufsschauspieler – als Zenturio und als Gladiator kostümiert – versetzten die Teilnehmer bei den Rundgängen durch die UNESCO-Weltkulturerben sehr eindrucksvoll in die damalige Zeit, als Rom die Welt regierte und der Kaiser in Trier die Geschicke des Imperiums leitete. Für einen kurzen Moment fühlten sich die Teilnehmer in das dritte Jahrhundert nach Christus versetzt, als Zenturio und Gladiator die schaurigen Ereignisse im römischen Trier schauspielerisch sehr anspruchsvoll vergegenwärtigten.

In zwei Stadtführungen (deutsch / französisch) legten die sehr sachkundigen Gästeführer die Schwerpunkte auf Kaiserthermen, Konstantin-Basilika und Dom. Einige Teilnehmer bekamen anschließend noch Gelegenheit zu einer vertiefenden Führung durch den Dom, die älteste Bischofskirche in Deutschland, während ein zweiter Teil der Reisegruppe von einem Winzer über den Weinkulturpfad geführt wurde. Sie erfuhren fast alles über das größte Weinanbaugebiet der Gemeinden an Mosel-Saar-Ruwer, dem klassischen Rieslinganbaugebiet.  Natürlich wurde die Führung mit einer kleinen Weinprobe abgerundet.

Als sich die beiden Lions Clubs nach zwei erlebnisreichen Tagen wieder voneinander verabschiedeten, waren sich alle einig: „anspruchsvolle Information“ und „gute Unterhaltung“ in einer „Wohlfühl-Umgebung“ sind eine gute Voraussetzung zur Vertiefung unserer deutsch-französischen Freundschaft.

Wilfried Köplin

Porta Nigra

Jumelage mit dem LC Arras (F) - 1966 bis heute

Aus Anlass des 25-jährigen Bestehens der Jumelage mit dem französischen Lionsclub aus Arras erinnerte LF Wilfried Köplin 1991 an die Anfänge dieser freundschaftlichen Beziehungen.

Arras, Place des Héros mit Rathaus
Arras en Artois

25 Jahre Jumelage

Erinnerungen an die „Hochzeit“ des LC Wermelskirchen - Wipperfürth mit dem LC Arras (Frankreich)

In 1991 blickte der LC Wermelskirchen Wipperfürth (ehem. LC Bergisch Land) auf 25 Jahre Jumelage mit dem LC Arras-en-Artois zurück. Grund genung, einmal aus den alten Unterlagen die Historie aufzuarbeiten. Dabei trat recht Amüsantes zu Tage:

Anfang 1965 regte der damalige Zone-Chairman Plutte eine Jumelage unseres erst ein Jahr jungen Clubs mit dem LC Arras-en-Artois an, der eine Verbindung mit einem deutschen Club eingehen wollte. Unser Vorstand war gar nicht begeistert von dieser Idee, weil der junge Club erst noch reifen müsse und noch nicht „heiratsfähig" sei. Mit sanftem Zwang und etwas List verstand es Gouvernor Deutgen jedoch, eine erste Kontaktaufnahme zu vermitteln.

Vier Lionsfreunde verabredeten sich im April 1965 zu einer ersten „Schnuppertour (Brautschau)“ nach Arras. Tatsächlich gefahren sind dann allerdings nur drei. Präsident Jores sagte sehr kurzfristig ab, schickte jedoch einen seiner Schüler mit einer Wandkarte von Nordrhein-Westfalen zum vereinbarten Abfahrtsort. Ob diese Karte als Gastgeschenk oder als Orientierungshilfe gedacht war, lässt sich nicht mehr eindeutig recherchieren.

Der Empfang durch den französischen Club im Hotel de l'Univers in Arras war überaus herzlich, wenn auch unsere Freunde anfangs den Trésorier (Schatzmeister) des gastgebenden Clubs fälschlicherweise für den Hoteldirektor gehalten hatten.

Mit einem Dia-Vortrag stellten unsere Freunde das Bergische Land vor. Als Botschaft nahmen sie mit, dass man unbedingt eine Jumelage mit einem deutschen Club eingehen wollte.

Im Juli 1965 erfolgte der Gegenbesuch mit einem Privatflugzeug, womit die Lions aus Arras zweifellos ihren Wagemut unter Beweis gestellt hatten. Statt zugelassener vier Personen entstiegen fünf der Maschine auf dem kleinen Flugplatz in Wipperfürth. Nach einer Teilnahme am Clubabend und einem ersten Gespräch über die beabsichtigte Partnerschaft erfolgte am nächsten Tag der Rückflug bei sehr schlechtem Wetter. Man hatte lange auf die Starterlaubnis warten müssen, so dass zwei Lionsfreunde es vorzogen, mit der Eisenbahn nach Arras zurückzufahren. Damit war die Maschine dann auch nicht mehr überbesetzt und man sah nach Stunden die mutigen Flieger in einer tiefliegenden Wolkendecke entschwinden. Der Fluglotse hatte Ihnen die Empfehlung gegeben, zur Orientierung an Rhein und Mosel entlang zu fliegen. Es war der Tag eines De Gaulle-Besuches in der Bundesrepublik und sie sollten keine Personenansammlung von mehr als fünf Personen überfliegen.

Im Oktober 1965 kamen die Freunde aus Arras in einer langen Autokolonne ins Bergische Land. Unvergesslich bleibt, dass eines ihrer Clubmitglieder einen präparierten Löwenkopf aufgesetzt hatte. Die „Verlobungsfeier fand in Schloss Burg statt, anlässlich der der Präsident des französischen Clubs eine vorbereitete phonetische Ansprache in Deutsch hielt, ohne wahrscheinlich auch nur ein Wort selber davon zu verstehen. Die Gäste aus Arras mit Damen wurden weitgehend bei unseren Familien untergebracht, wobei Verständigungschwierigkeiten mit verschiedenen Fremdsprachen und mit Zeichensprache überbrückt wurden.

Ende April 1966 fand ein Treffen in kleinem Kreis in Tienen/Belgien statt, um die Modalitäten der „Hochzeit" zu besprechen. Der Treffpunkt, ungefähr in der Mitte zwischen Arras und Wermelskirchen, wurde nach einem alten Guide Michelin festgelegt. Das ausgesuchte Hotel war jedoch bereits vor längerer Zeit abgebrannt und so traf man sich mehr oder weniger zufällig auf dem Marktplatz von Tienen.

Der „Hochzeit“ konnte nun nichts mehr im Wege stehen. Sie fand im Mai 1966 In Arras statt und war zugleich die 10-Jahresfeier des LC Arras-en-Artois. Ein Empfang im Rathaus von Arras rundete das erste große Treffen in Frankreich ab.

In den 25 Jahren Partnerschaft haben sich unsere Clubs ausnahmslos jedes Jahr besucht - abwechselnd in Frankreich und in Deutschland und jeweils mit einem informativen Programm und einer Activity zugunsten einer sozialen Einrichtung verbunden. Dabei sind auch sehr enge persönliche Freundschaften gewachsen.

Im Sinne des Lions-Gedankens, zur Verständigung zwischen den Völkern beizutragen, ist eine Verbindung zwischen den Clubs entstanden, von der ältere Club-Mitglieder leicht ins Schwärmen geraten und für die neue Lionsfreunde schnell begeistert werden können.